Abschalten mal anders oder wie ich zum Bogenschießen kam

Als Kind und Jugendliche war ich ein riesiger Indianerfan.

Vor allem hatte es mir Winnetou angetan, natürlich.. wer sonst? Mein Vater hatte bereits als Kind bestimmt über 30 Bücher von Karl May und zum Glück hat er diese immer aufbewahrt und mir später sogar geschenkt. Die Bücher von Karl May, in denen Winnetou mitgespielt hat, habe ich sofort verschlungen. Dieser edelmütige, aufopferungsvolle, weise Mann hat es mir von Sekunde eins angetan und wurde zu meinem großen Vorbild.

Als meine Eltern uns Kinder dann zu den Karl May-Festspielen in Elspe mitnahmen, war ich restlos begeistert. Mein großer Held – und natürlich Old Shatterhand, der auch unumstritten cool ist! – live und in Farbe vor mir! Auf Pferden ritten sie ihren Feinden entgegen, kämpften, verhandelten Allianzen und sprengten sogar Felsen in die Luft. Action pur! Seit drei Jahren gehe ich übrigens wieder regelmäßig zu den Festspielen, diesmal mit meinem Freund, und die Geschichten um die beiden Blutsbrüder ziehen mich jedes Mal wieder in ihren Bann.

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Natürlich wollte ich als Kind genauso gerne eine Indianerin vom Stamm der Apachen sein wie Winnetou und seine Schwester Nscho-tschi und rannte daher mit Freuden
durch jeden Wald und Abhänge rauf und runter, in der festen Überzeugung dort sähe es aus „wie das echte Indianerleben“ (hier zitiere ich mein ca. 6-Jähriges Ich 😉 ). Ich schlich meinen Eltern hinterher, versteckte mich hinter Bäumen und versuchte Spuren zu lesen. Meine großen Geschwister waren die Leidtragenden und wurden von mir fleißig mit meinem kleinen Bogen und Schaumgummipfeilen abgeschossen.

Vor gut zwei Jahren war ich dann mit meiner besten Freundin in einem entspannten Urlaub auf Fuerteventura. Die beiden Hotelanimateure, Max und Giacomo, wollten uns dann eines Tages dazu animieren, am Bogenschießen teilzunehmen. Aufgrund meiner Indianerobsession, die nie ganz verschwunden ist, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme! Wir haben nicht lange gezögert und gesellten uns zu den anderen Teilnehmern in die pralle Sonne. In der Mittagshitze Fuerteventuras lernten wir dann mit Bögen auf eine ca. 5 Meter entfernt stehende Zielscheibe zu schießen. Jeder hatte drei Schuss, welche anschließend in Punkte umgerechnet wurden, um einen Gewinner zu küren. Obwohl ich, wie ich jetzt weiß, den Bogen damals eher schlecht als recht hielt, erreichte den ersten Platz. Natürlich war daran nicht unbedingt mein Können Schuld (vielleicht aber doch 😉 ), doch trotzdem freute ich mich wie ein kleines Kind und war überzeugt davon, dass das Schicksal mir einen Wink geben wollte:

Ich sollte Bogenschießen lernen!

Zurück in Deutschland, ausgestattet mit einer Siegerurkunde aus dem Urlaub, schaute ich mich nach Vereinen in der Nähe um. Es stellte sich heraus, dass es tatsächlich einen in meiner Stadt gibt und sogar ein Schnupperkurs angeboten wurde. Leider sollte dieser erst wieder im Herbst stattfinden. Also stellte ich mir knapp 5 Monate vorher einen Termin ein, um die Anmeldung ja nicht zu verpassen.

Was soll ich sagen? Ich habe die Anmeldung nicht verpasst und der Kurs war großartig! An vier Terminen à 3 Stunden wurde uns beigebracht wie man einen Bogen richtig hält, welchen Ablauf man beim Schießen einzuhalten hat, was ein Sehnenschatten ist und natürlich wie man letztendlich auch schießt und trifft. Dabei wurde die Haltung wieder und wieder korrigiert, bis ich am nächsten Tag einen höllischen Muskelkater hatte. Aber das machte mir nichts aus. Denn abgesehen von den super lieben Menschen, die ich kennenlernte, über die Trainer, die Vereinsmitglieder, bis zu den anderen Teilnehmern, merkte ich nach dem Training erst, dass ich die letzten drei Stunden keinen Gedanken an die Arbeit oder die Uni verschwendet hatte.

Ich hatte einfach komplett abgeschaltet und mich einzig auf das Bogenschießen konzentriert.

Diese Feststellung hat mich erst mal total überrascht. Dann merkte ich, wie gut mir das tat und dass ich unbedingt wieder zum Training kommen wollte – allein aus dem Grund, dass ich mich wieder so entspannt und frei fühlen wollte.IMG_20180228_100754

Also habe ich mir nach dem Schnupperkurs das benötigte Material besorgt und mich sobald es ging in dem Verein angemeldet. Der Bogen selbst sollte übrigens bei Anfängern erst gemietet werden, bevor man das Geld in einen eigenen Bogen investiert. Dies liegt daran, dass man gerade im ersten Jahr eine enorme Entwicklung – z.B. was die Zugstärke angeht – macht. Außerdem lernt man verschiedene Designs oder auch Bogenvarianten (Langbogen, Jagdbogen, Recurve, Compound, etc.) kennen und sollte sich nicht direkt festlegen.

Nun bin ich seit knapp einem Jahr im Verein dabei. Wir haben zwei Mal die Woche offizielles Training. In den Sommermonaten draußen auf dem Platz und in den Wintermonaten in einer Sporthalle. Zudem kann man je nach Belieben auf den Platz gehen und dort für sich selbst trainieren. Zugegeben, ich schaffe es nicht regelmäßig zu trainieren, das liegt vor allem daran, dass ich im letzten Jahr zwei Mal meinen Job gewechselt und nebenbei mein Studium abgeschlossen habe, aber jedes Mal, wenn ich wieder schießen kann, genieße ich es total! Den Anspruch so gut zu werden, dass ich bei Turnieren starten kann, habe ich momentan nicht. Mir persönlich ist es wichtig einen Ausgleich zu haben und vom Alltag abschalten zu können, wenn ich es brauche. Das möchte ich mir nicht durch den Druck verderben, immer ins Gold treffen zu müssen.

Ich liebe das Bogenschießen und kann es wirklich nur jedem empfehlen.

Es braucht Konzentration und viel Geduld, aber gibt einem auch viel zurück. Und, ganz ehrlich, wer will sich nicht gerne wie ein Indianer fühlen? 🙂

Was macht ihr so um abzuschalten? Hat vielleicht jemand von euch schon einmal Bogenschießen ausprobiert?

Eure Miriam

#howaboutlife #archery #wieimechtenindianerleben

4 Kommentare zu „Abschalten mal anders oder wie ich zum Bogenschießen kam

  1. Bogenschießen sieht immer so cool aus! Wenn man einen Sport gefunden hat, bei dem man stundenlang seinen Alltag vergisst und sich am nächsten Tag über seinen Muskelkater wundert, dann ist er definitiv der richtige für einen!! 🙂 Für mich ist das irgendwann überraschenderweise Pole Dance geworden.

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    1. Das stimmt, auch wenn ich auf dem Bild tatsächlich nicht die korrekte Haltung habe & mein Bogen noch ziemlich spartanisch ausgestattet ist. 😁
      Du hast Recht, Sport soll schließlich Spaß machen & einen nicht ständig an stressige oder nervige Dinge erinnern oder gar als Zwang empfunden werden!
      Ich bewundere Dich so dafür, dass Du Poledance machst! Das ist wirklich Dein Sport und Du machst das fantastisch! ❤

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