|Rezension| Die Stimmen des Abgrunds (Dämonen-Saga Teil 6) – Peter V. Brett

Doch dann merkte er plötzlich, dass er zu weit gegangen war. Sein Wesen, sein Geist, waren in den Horc eingesickert, während er sich immer weiter ausgedehnt hatte. Und jetzt stellte er fest, dass von ihm selbst fast nichts mehr übrig war.

Hab schon wieder vergessen zu atmen. (S. 527)

DetailsIMG_20180512_202046

Erstausgabe: April 2018

 

Verlag: Heyne

ISBN: 978-3-453-31938-7

Seiten: 560

Genre: Fantasy Roman

 

Klappentext zu Teil 1

„Weit ist die Welt – und dunkel …“

… und in der Dunkelheit lauert die Gefahr. Das muss der junge Arlen auf bittere Weise selbst erfahren. Schon seit Jahrhunderten haben Dämonen, die sich des Nachts aus den Schatten erheben, die Menschheit zurückgedrängt. Das einzige Mittel, mit dem die Menschen ihre Angriffe abwehren können, sind die magischen Runenzeichen. Als Arlens Mutter bei solch einem Dämonenangriff umkommt, flieht er aus seinem Heimatdorf. Er will nach Menschen suchen, die den Mut noch nicht aufgegeben und das Geheimnis um die alten Kriegsrunen noch nicht vergessen haben.

Hinweis: Bei diesem Exemplar handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Dies beeinflusst in keinster Weise meine Meinung zu diesem Buch.

 

Rezension

Achtung: Es handelt sich um eine Rezension von Teil 5.2 bzw. 6 der Dämonen-Saga. Wer die vorherigen Bände noch nicht gelesen hat, sollte eventuell nicht weiterlesen – auch wenn ich natürlich versuche nicht zu spoilern. Oben habe ich euch deshalb den Klappentext von Teil 1 eingefügt.


Wieder einmal geht eine fantastische Buchreihe zu Ende und wieder einmal fällt es mir schwer Abschied zu nehmen. Danke an dieser Stelle an das Bloggerportal und den Heyne Verlag, welche mir das Buch zur Verfügung gestellt haben. Schon seit Band 5 erschienen ist, habe ich auf das große Finale hingefiebert. Gleichzeitig habe ich mir natürlich gewünscht, dass Peter Brett die Geschichte unendlich lange weiterführen möge.

Deshalb kam es eigentlich auch nicht überraschend, als ich schon kurz nachdem ich Die Stimmen des Abgrunds begonnen habe zu lesen, es bereut habe – denn Peter V. Brett schreibt einfach wieder so unglaublich gut, dass ich mir gewünscht habe, ich würde gaaanz langsam lesen können, damit es nicht zu Ende geht. Natürlich hat es nicht funktioniert. Warum ich die gesamte Reihe und auch diesen letzten Teil trotz kleiner Schwächen liebe, werde ich euch nun verraten.

Zu erst einmal sehen die Cover einfach fantastisch aus. Richtig mystisch und dann wird  dieser einsame Krieger abgebildet, der sich vor der nebelhaften Landschaft abhebt… hach, ich hab mich ja schon immer selbst heimlich in der Rolle der einsamen Kriegerin gesehen, deshalb passt es für mich einfach perfekt.

Der Schreibstil Bretts gehört für mich zu einem der besten, die ich bisher gelesen habe. Schnell, packend, authentisch. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. Diese Stränge vermischen sich zum Teil zu einem und trotzdem ist es einfach stimmig. Es entsteht in keiner Sekunde Verwirrung, alles fügt sich irgendwie ins Bild.

Der Autor schafft es, jeder Person eine eigene Persönlichkeit einzuhauchen, die sich im Laufe der sechs Bücher in jede mögliche Richtung entwickeln kann und das aus absolut logischen Gründen. Selbst der Königliche Gemahl der Dämonenkönigin, Alagai Ka, kommt zu Wort und durchläuft verschiedene Phasen. Es werden einfach immer neue Facetten offenbart und bei jeder einzelnen Figur fand ich die Entwicklung perfekt gemacht!

In diesem Moment begriff der Königliche Gemahl, wie dumm, wie hochmütig er gewesen war. Gewiss, der Erbe war geschwächt und allein, aber er war immer noch der Seelentöter, und der Königliche Gemahl hatte selbst viel von seiner Kraft eingebüßt. (S.439)

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Beispielsweise haben wir auf der einen Seite Arlen, den Tätowierten Mann, der sich vom unnachgiebigen, kämpferischem und atheistischen Menschen zu einem Mann entwickelt, der endlich Gefühle und auch den Gedanken zulässt, dass mehr existiert, als er zu wissen glaubt. Auf der anderen Seite gibt es noch Ahmann Jardir, Shar’Dama Ka bzw. Erlöser der Krasianer, der sich vom religiösen Fanatiker, welcher die Grundsätze seines Glaubens über alles stellt, zu einem zweifelnden und gütigem Menschen entwickelt, welcher Grenzen überwindet.

Gleichzeitig baut der Autor hier eine Brücke zu Konfliktthemen unseres eigenen Alltags und den Grundfragen zum Glauben der Menschheit: Gibt es einen Schöpfer (bei den Krasianern Everam genannt) und seine Gegenspielerin die Nie? Und lohnt es sich hierfür alles aufs Spiel zu setzen?

Überraschend fand ich in Die Stimmen des Abgrunds, dass manche Protagonisten aus der bisherigen Geschichte nun eine größere Rolle spielten (bspw. Inevera, Frau von Jardir und Damajah der Krasianer) und andere, welche bisher Hauptfiguren waren, nun fast komplett außen vor blieben.

Achtung, kleiner Spoiler enthalten: Warum kommt Leesha fast gar nicht mehr vor? Im letzten Buch hat sie ein Kind von Jardir bekommen, welchem eine bedeutende Zukunft vorhergesagt wurde und im Finale ist dies auf einmal vollkommen unwichtig? Das habe ich tatsächlich nicht verstanden.

‚Ich trage die Verantwortung für das, was dir und deinen Leuten angetan wurde.‘ Inevera breitete die Arme aus, und in ihren dünnen Seidengewändern wirkte sie ungemein verletzlich. ‚Willst du den ersten Schlag führen und unsere beiden Völker in den nächsten Krieg stürzen, während Alagai Ka die Nacht beherrscht?‘ (S. 194)

Im Verlaufe der Geschichte spitzt sich in allen freien Städten Thesas die Situation zu, denn die Dämonen greifen verstärkt und vor allem kontrolliert durch die Seelendämonen an. Überall geraten die Menschen in Bedrängnis und das wird auch sehr spannend von Brett inszeniert. Doch knapp 100 Seiten vor Schluss ist mir aufgefallen, dass der finale Schlag noch nicht absehbar war, weshalb ich – leider zu Recht – die Vermutung hatte, dass das eigentliche Ende etwas abrupt ausfällt. Der finale Kampf, auf den alles von Anfang an hinauslief, kommt auf einmal hoppla hopp und ist zwar echt gut gemacht, hätte aber gerade in seinen Konsequenzen noch tiefer betrachtet werden können. Abschließend bleiben viele Fragen offen und ich muss leider sagen, dass mir die letzte Szene auch nicht ganz das gegeben hat, was ich mir erhofft habe.. ja, was ich auch irgendwie gebraucht hätte. Es war einfach nicht so episch, wie die restliche Geschichte, welche sich insgesamt über knapp 4000 Seiten erstreckt hat.

Eine Zusammenfassung oder einen Rückblick zu Beginn des Buches gibt es nicht, daher empfiehlt sich, das Buch direkt im Anschluss an den Vorgänger zu lesen. Trotzdem fesselt die Geschichte erneut von der ersten Seite an. Ich dachte mit zwischendurch einfach nur „Mein Gott, ist das guuuut!“ – und so etwas kommt echt nicht oft vor.

 

Fazit

Trotz kleiner Schwächen zum Ende hin ein fantastischer Abschluss dieser Saga.

Peter V. Brett gelingt es die Spannung in seinem Epos unermüdlich hoch zu halten. Es werden epische Schlachten geschlagen, neue und unerwartete Bündnisse im Angesicht der alles zerstörenden Bedrohung geschmiedet, religiöser Fanatismus überwunden und überraschende Entwicklungen durchlaufen.

Ich kann Die Stimmen des Abgrunds bzw. alle Bücher der Dämonen-Saga jedem empfehlen, der Fantasy mit vielen kriegerischen Handlungen und Einflüssen unserer heutigen Welt liebt. Aber auch so nimmt Peter V. Brett seine Leser auf eine überwältigende Reise mit.

Eure

Unterschrift

Habt ihr die Bücher bereits gelesen? Wenn ja, ward ihr genauso begeistert wie ich oder hat euch etwas gefehlt? Wenn ihr in den letzten Teil reinlesen möchtet, könnt ihr dies hier tun:

Lesen?          Kaufen!*

 

4 Kommentare zu „|Rezension| Die Stimmen des Abgrunds (Dämonen-Saga Teil 6) – Peter V. Brett

  1. Hi Miriam,
    witzigerweise lesen Fran und ich die Dämonenreihe auch schon seit Jahren, gerade ist Fran ebenfalls am letzten Band und plant dazu eine Reihenrezension. Uns ist aufgefallen, dass Brett mit jedem Band mehr in die oft sinnlose Fäkalsprache abrutscht und die Leser mit Ekeldetails geradzu belästigt. Ich hätte es besser gefunden, stattdessen mehr Fokus auf den Plot oder generell die Geschichte/Handlung zu legen. Ist dir das zufällig auch aufgefallen?

    Liebe Grüße
    Siri

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Siri,

      das ist ja lustig! Mir ist auch aufgefallen, dass es relativ wenig Rezensionen zu dieser Reihe gibt – aus dem Grund habe ich auch daran gedacht, die anderen Bände nachträglich noch zu besprechen. Jetzt bin ich auf jedenfall sehr auf den Beitrag von Fran gespannt!

      Ich denke, ich weiß was ihr beide damit meint, allerdings muss ich zugeben, dass mir selbst diese Art nicht wirklich ins Auge gesprungen ist und dass es mir demnach auch nicht viel ausgemacht hat. Klar, die Story hat sich in manchen Teilen stark in eine Richtung entwickelt, in der solche Szenen (ich würde gerne Beispiele geben, möchte aber nicht spoilern, daher nenne ich nur Abban und Hasik) häufiger vorkommen und hier hätte Brett ggf. einen Gang runterschrauben können. Aber wie gesagt, ich habe mich nicht großartig daran gestört. Wenn man jedoch häufiger zu historischen Romanen greift, die im Mittelalter spielen bzw. High Fantasy Romanen, dann ist man es vielleicht auch eher gewohnt, dass eine solche Sprache genutzt wird. Es gehört halt irgendwie dazu und macht für mich das ganze ggf. sogar authentischer. Aber es ist echt interessant da eure Meinung zu hören!

      Liebe Grüße zurück,
      Miriam

      Gefällt mir

  2. Danke für diese Rezension, Miriam!
    Ich schleiche schon länger um diese Reihe herum und war mir nie ganz sicher, ob ich sie mir kaufen soll…. „Fantasy mit vielen kriegerischen Handlungen und Einflüssen unserer heutigen Welt “ -> jepp, das ist *genau* meins! 🙂

    Gefällt 1 Person

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