|Rezension| Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden // Genki Kawamura

Wenn man das Leben aus der Nähe sieht, ist es eine Tragödie, betrachtet man es jedoch aus der Ferne, ist es eine Komödie. (S. 77)

Details

Erstausgabe: April 2018

 

Verlag: C.Bertelsmann

ISBN: 978-3-570-10335-7

Seiten: 190

Genre: Roman

Klappentext

Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes …

 

Rezension

IMG_20180807_144913Von dem Buch Wenn alle Katzen aus der Welt verschwänden von Genki Kawamura versprach ich mir einiges. Einerseits sprang mir das Cover direkt ins Auge – auch wenn es um Katzen zu gehen schien & ich nicht der größte Katzenfan bin – außerdem wurde das Buch vielerorts in den höchsten Tönen gelobt. Andererseits klang auch für mich der Inhalt wirklich interessant. Wenn man sich selbst mal die Frage stellt, wie man in einer solchen Situation reagieren, wie entscheiden und welche Dinge man verschwinden lassen würde, weiß man erst einmal keine Antwort. Zu komplex ist diese Vorstellung, um spontan die „richtige“ Antwort zu finden. Es handelt sich um eine Extremsituation, in der es um das eigene Leben und den eigenen Tod geht und darum, sich darüber klar zu werden, was einen wirklich glücklich im Leben macht.

Freiheit erzeugt Angst. Wir Menschen hatten unsere Freiheit gegen die Sicherheit der Regeln eingetauscht. (S.110)

Direkt zu Beginn muss unsere Hauptfigur, deren Namen wir nie erfahren, sich damit konfrontiert sehen, dass sie sterben wird. Dann erfährt er auch noch vom Teufel höchstpersönlich, dass sein Leben am nächsten Tag enden, ihm jedoch die einmalige Chance gegeben wird, sein Leben durch eine simple Entscheidung pro Tag um jeweils einen weiteren Tag zu verlängern. Das muss man erst einmal verarbeiten… und das tut der Protagonist auch mehr oder weniger gut, indem er seinen Lebensweg reflektiert, Beziehungen überdenkt, Freunde trifft und frühere Entscheidungen in Frage stellt.

Zuerst wird er vor die Wahl gestellt Schokolade von der Welt verschwinden zu lassen – an dem Punkt wäre ich ja schon ausgestiegen – es folgen Handys, Filme, Uhren. Jedes Mal trifft der Briefträger die Entscheidung weiterzuleben und lässt Dinge verschwinden, bis nach ein paar Tagen die Katzen an der Reihe sind und somit auch sein geliebter Kater Weißkohl.

Wie wäre es, wenn die Schokolade von der Welt verschwände? Ich versuchte es mir vorzustellen. Die Schokoladensüchtigen aller Länder würden vor Kummer vergehen, sie würden weinen und klagen, ihr Blutzuckerspiegel fiele ins Unermessliche, und ihr Leben würde die reine Entbehrung. (S. 27)

Es handelt sich bei dieser Geschichte in der Tat eher um ein ernstes und trauriges, aber auch wirklich interessantes, Thema, welches zum Nachdenken anregt. Trotz allem hat mich das Buch jedoch letztendlich nicht berührt. Sprachlich war es gut geschrieben, aber es fehlte der Geschichte an Seele – und das, obwohl sich der Großteil der Erzählung in den Gedanken des Protagonisten abspielt.

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Womit ich zu der Hauptfigur selbst komme. Sein Leben scheint mehr oder weniger trostlos zu sein: Die Mutter ist vor einiger Zeit gestorben, zum Vater gibt es keinen Kontakt mehr, enge Freundschaften gibt es ebenso wenig. Zudem stellt er sich in meinen Augen egoistisch dar, denn er macht sich hinsichtlich der zu treffenden Entscheidungen nur Gedanken über sich selbst und die Auswirkungen auf sein Leben, anstatt auch an andere Menschen, vor allem die in seinem Leben, zu denken.

Es stellt sich schnell heraus, dass all die Dinge, die er verschwinden lassen soll, eine sehr wichtige Rolle im Leben seiner Familie oder Freunde spielen und dennoch zögert er nicht, diese verschwinden zu lassen.

Obwohl wir im Verlaufe der Geschichte mehr Hintergrundinformationen erhalten, wird das Ganze nicht wirklich greifbar und es bleibt eine Distanz zu den Charakteren bestehen. Dies wird für mich auch durch die Namenlosigkeit fast aller Persönlichkeiten unterstützt, auch wenn Kawamura vielleicht gerade dadurch die Geschichte übertragbar machen wollte. Für mich persönlich zog sich das Buch leider ziemlich in die Länge. Die Entscheidungsprozesse waren mehr oder weniger zäh, das Verschwinden der Dinge in der Welt war unspektakulär und hatte scheinbar keinerlei Auswirkungen auf die Menschen und ihre Umgebung und ich muss gestehen, dass mich während der Geschichte nicht wirklich interessiert hat, was letztendlich mit dem Briefträger passiert. Demnach war ich wirklich froh, als ich endlich das Ende erreicht hatte und der Hauptfigur in den letzten Zügen doch noch ein Schwung Energie und Sympathie eingehaucht wurde.

Um etwas zu bekommen, muss man auf etwas anderes verzichten. (S.159)

 

Fazit

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden hat große Erwartungen in mir geweckt, die leider nicht erfüllt wurden. Eine spannende Thematik, die jedoch zu oberflächlich umgesetzt wurde und leider durch den namenlosen Hauptcharakter mehr Distanz als Emotionalität geschaffen hat. Am sympathischsten war mir tatsächlich der Hauskater Weißkohl.

Ein Buch, was mich zwiegespalten zurücklässt. Es hat mich zum Nachdenken angeregt, aber nicht nachhaltig beeindruckt oder beeinflusst. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Eure

Unterschrift

Weitere Rezensionen zu dem Buch:

Gabriela von Buchperlenblog

Jill von Letterheart

Andrea von Lesen… in vollen Zügen

Liam von Mr. Exlibris

 

 

 

Hinweis: Bei diesem Exemplar handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, welches mir kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Dies beeinflusst in keinster Weise meine Meinung zu diesem Buch. Vielen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal und den C.Bertelsmann-Verlag!

2 Kommentare zu „|Rezension| Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden // Genki Kawamura

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