|Rezension| Feuer und Zorn – Michael Wolff

Der Kandidat und seine führenden Berater glaubten, sie könnten die Vorteile einer beinahe errungenen Präsidentschaft genießen, ohne ihr Benehmen oder ihre Weltsicht auch nur ein bisschen zu ändern: Wir brauchen nichts anderes zu sein als das, was wir sind, denn natürlich werden wir nicht gewinnen.

Details

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                  „Are you serious?“

 

Erstausgabe: Februar 2018

 

Verlag: Rowohlt

ISBN: 978-3-498-09465-2

Seiten: 480

Genre: Sachbuch / Dokumentation

 

 

Klappentext

Der Journalist Michael Wolff beschreibt aus nächster Nähe die ersten turbulenten Monate im Weißen Haus unter Donald Trump: im Mittelpunkt ein Präsident, den seine Mitarbeiter wie ein kleines Kind behandeln und der umgeben ist von Inkompetenz, Intrigen und Verrat. Wolffs amerikanischer Bestseller ist fesselnde Zeitgeschichte – und liest sich wie ein Königsdrama von Shakespeare.

 

Rezension

Schon als Donald J. Trump für die Präsidentschaft kandidiert hat, hatte ich das ungute, aber sichere Gefühl, dass er schlussendlich ins weiße Haus einziehen würde. So leid es mir tat, aber die Entwicklungen der letzten Jahre hatten mir eins gezeigt: Der gesunde Menschenverstand wird bei manch einem leider viel zu oft ausgeschaltet. Tägliche Berichte in den Medien bestätigen, dass USA sich und der Welt mit Donald Trump als Präsidenten keinen Gefallen getan haben. Ich könnte  jetzt einen langen Monolog über dieses Thema und diese Präsidentschaft halten, doch es geht hier schließlich um eine Rezension von Feuer und Zorn – ich wollte nur kurz darlegen, wieso ich mir dieses Buch sofort kaufen wollte, nämlich weil mich der Blick hinter die Kulissen und in Trumps innersten Kreis von Anfang an interessiert hat.

Es war das ewige Rätsel aller Mitglieder des Führungsstabs im Weißen Haus: Warum nur tat Trump, was er tat? (S.449)

Der Autor des Buches, Michael Wolff, berichtet in seinem Vorwort, wie er an all seine Informationen und Interviews kam und dass das Buch ursprünglich nur ein Bericht über die ersten 100 Tage der Präsidentschaft werden sollte. Aufgrund der zahlreichen Ereignisse jedoch entwickelte sich dieser Bericht zu einer Beobachtung die über 18 Monate dauern sollte.

Kurz nach dem 20. Januar nahm ich eine Art Stammplatz auf einem Sofa im West Wing ein. Seither habe ich mehr als zweihundert Interviews geführt. […] So war ich denn weniger ein geladener Gast als vielmehr ein ständiger Lauscher – das sprichwörtliche `Mäuschen` -, der sich weder irgendwelchen Regeln unterworfen noch Absprachen darüber getroffen hatte was er schreiben dürfe und was nicht. (S. 14)

Zunächst zu dem Aufbau des Buchs: Es gibt 24 Kapitel, die zum einen die verschiedensten Charaktere beleuchten, die eine Zeit lang Trumps engstem Zirkel angehörten oder diesem wegen ihres Verwandtschaftsverhältnisses noch zuzuordnen sind. Dies sind beispielsweise Steve Bannon, lange Chefstratege Trumps, Ivanka und Jared Kushner (kurz: Jarvanka), Reince Preibus, Stabschef, oder Sean Spicer, Trumps Pressesprecher. Personen, die Trump von Beginn seines Wahlkampfes an begleitet haben, die ausgetauscht, von Trump in den Himmel gelobt oder bis aufs äußerste beschimpft wurden und dabei stets ihre eigenen Ziele verfolgt haben. Zum anderen drehen sich die Kapitel jedoch auch um spezielle Ereignisse, die während des Wahlkampfes oder der ersten Wochen/Monate von Trumps Amtszeit auftraten – hier zieht sich insbesondere das Thema Russland durch das gesamte Buch.

Michael Wolff verwendet eine sehr einfache Sprache, sodass ein guter Lesefluss möglich ist. Er beschäftigt sich tiefgehend mit den einzelnen Persönlichkeiten, sodass man wirklich das Gefühl bekommt hinter die Fassaden blicken zu können. Der Autor hat jedoch so viel zu sagen und vollführt hierdurch Sprünge zwischen Ereignissen und Personen, dass es manchmal schwierig wird ihm zu folgen. Ich stellte mir hin und wieder die Frage, wo der rote Faden verläuft. Was genau will Wolff den Lesern sagen? Will er einem die Augen öffnen für die erschreckende Wirklichkeit, das Chaos, im weißen Haus? Nun, das gelingt ihm definitiv.

Für Laien der amerikanischen Politik gestalten sich Teile etwas kompliziert, weil so viele Personen, Funktionen und Gremien genannt werden, die einem nicht unbedingt bekannt sind. Es verdeutlicht jedoch, wie verworren und auch chaotische die Regierung der Vereinigten Staaten sein kann bzw. ist. Wenn man Wolff und den öffentlichen Berichten glauben kann, dann sind neben Trump so viele unfähige und rücksichtslose (wenn es um die eigenen Ziele geht allerdings sehr clevere) Menschen an der Macht, die nicht nur versuchen sich gegenseitig aus dem „Spiel“ zu kicken, sondern auch den Präsidenten manipulieren, dass es einem Angst macht. Ich fühlte mich hierdurch oft an Game of Thrones erinnert – es gibt tatsächlich erschreckende Ähnlichkeiten, nur ohne die Drachen.

Die Frage war, wie Bannon es ausdrückte, nicht, ob der Präsident in einer üblen Lage war, sondern nur: War die Lage übel genug für eine Amtsenthebung? (S. 442)

In manchen Szenen tat mir Trump fast leid, wenn deutlich wird, wie tief die Abneigung der Medien gegen ihn geht und dass sie ihn tatsächlich anders behandeln als bisherige Präsidenten: Weniger Schamgefühl, weniger Respekt, weniger Grenzen. Auch wenn Wolff die Meinung von Trumps ehemals engsten Beratern über ihn zitiert („verfluchter Trottel“, „dumm wie ein Stück Scheiße“, „Idioten“, S.451), hinterlässt dies einen bitteren Beigeschmack. Wolff gelingt es hierdurch jedoch bestens ein Bild von den zerrütteten Beziehungen innerhalb des Weißen Hauses zu zeichnen und zu verdeutlichen, was mangelndes Vertrauen, fehlender Respekt, Machtstreben, Inkompetenz und Paranoia auf beiden Seiten bewirken können. Dies bietet auch einen Teil der Erklärung für die vielen Abgänge der Trump-Regierung (siehe auch Spiegel-Artikel).

Das Buch beginnt mit dem Wahlkampf und der Aussage, dass Trump gar nicht Präsident habe werden wollen, sondern einfach nur seine Popularität, seine Marke, weiter ausbauen wollte, um so zum berühmtesten und reichsten Mann New Yorks (oder Amerikas?) zu werden. Trumps verzweifelter Wunsch nach Zuspruch und Bewunderung, vor allem durch die Medien, zieht sich somit durch jegliche seiner Gespräche, Ausbrüche und schlussendlich auch Entscheidungen während seiner bisherigen Präsidentschaft.

 

Fazit

Beim Lesen war ich sehr oft sprachlos und erschüttert. Ich hatte zum Teil das Gefühl, dass Wolff mit seinen Schilderungen übertreibt, ich wollte es fast schon glauben… denn sollte er nicht übertreiben und das alles tatsächlich wahr sein, dann ist es einfach nur beängstigend.

Die meisten Notizen, die ich mir zu Feuer und Zorn gemacht habe, beziehen sich auf den Inhalt des Buches, dazu möchte ich jedoch nicht viel mehr sagen, als ich es schon getan habe. Nur eines noch: Wieso Trump nach alldem, was geschehen ist und so offensichtlich verkehrt läuft in seiner Regierung, noch im Amt ist, ist mir einfach nur ein Rätsel. Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der einen tieferen Einblick in die Psyche eines Präsidenten und einer Regierung bekommen möchte, deren oberste Priorität scheinbar nicht dem Wohlergehen des eigenen Volkes gilt.  Meiner Meinung nach definitiv ein Buch, mit dem man sich mal auseinandersetzen sollte.

 Eure

Unterschrift

 

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