|Rezension| Aera – Die Rückkehr der Götter // Markus Heitz

‚Haben Sie nie daran gedacht, selbst ein Gott zu sein?‘ Er richtete seine steinbesetzten Ringe. ‚Ich würde mich sofort auflösen.‘

‚Nicht wäre, Mister Bourreau.‘ Der Tinglit legte die Hände zusammen. ‚Ich meinte damit, dass Sie wirklich einer von ihnen sind.‘ (S. 687)

Details

Erstausgabe: November 2015

Verlag: Knaur Taschenbuch

ISBN: 978-3-426-51861-8

Seiten: 782

Genre: Detektivgeschichte mit Fantasy-Charakter

Klappentext

Im Jahr 2019 herrscht eine neue Weltordnung: Die Götter kehren auf die Erde zurück. Alle Götter – bis auf einen. Während Odin, Zeus, Manitu, Anubis, Shiva und Co. sich ihre alten Kultstätten zurückholen und ihre Anhänger um sich scharen, warten Christen, Moslems und Juden vergeblich.

Interpol-Ermittler Malleus Bourreau ist Atheist geblieben in dieser Welt voller Götter. Er ist gut in seinem Job, denn er hat keinen Respekt, weder vor Menschen noch vor Göttern. Sein aktueller Fall fordert ihn allerdings: Auf der ganzen Welt verschwinden religiöse Artefakte aus den verschiedensten Kulturen, und die Diebe gehen dabei buchstäblich über Leichen. Und das ist nicht das einzige Rätsel, das es zu lösen gilt.

Rezension

Wisst ihr was ich an Büchern besonders liebe? Sie halten immer wieder Überraschungen für Dich bereit. Du kannst Dir Klappentexte und Rezensionen durchlesen, Cover bestaunen oder persönliche Empfehlungen bekommen, doch letztendlich weißt Du nie wirklich welche Geschichte das Buch für Dich bereithält und wie Dir diese gefallen wird. In diesem Fall habe ich nichts über Aera – Die Rückkehr der Götter gewusst, bis ich es zu Weihnachten vom Bruder meines Freundes geschenkt bekommen habe und er meinte, dass es bestimmt etwas für mich wäre. Ich habe mir den Klappentext durchgelesen und war ehrlich gesagt nur semi interessiert. Die Grundidee fand ich spannend, doch gehören Detektivgeschichten nicht unbedingt zu meinen favorisierten Genres und ich konnte mir nicht vorstellen, wie das Zusammenspiel mit den Göttern funktionieren sollte.

Doch tatsächlich war dieses Buch eine Überraschung für mich. Denn nach den ersten dutzend Seiten hatte mich die Geschichte doch irgendwie gepackt. Um jedoch zunächst auf den Inhalt zurückzukommen: Der 21.12.2012 ist bestimmt einigen noch ein Begriff – an diesem Tag endete der Maya-Kalender. Die Meinungen gingen zwar auseinander, aber vielfach wurde mit dem Ende des Kalenders der Untergang der Welt assoziiert. Unter uns: ich persönlich wäre nicht überrascht gewesen, wenn tatsächlich ein Weltuntergangsszenario stattgefunden hätte – so wie wir Menschen uns gegenüber einander und der Welt verhalten, hätte es mich nicht gewundert, wenn irgend ein Gott sagt „So Leute, wir haben’s versucht, ihr habt’s verkackt – nun ist Schluss.“ Aber das ist ein anderes Thema. 😉

Markus Heitz hat in seinem Buch den 21.12.2012 anders interpretiert. An diesem Tag kehren die Götter auf die Erde zurück. Und damit meint er ALLE Götter ALLER Religionen… also fast aller.. Denn der Gott (oder die Götter) der Christen, der Juden und der Moslems taucht (tauchen) nicht auf.

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Und das ist ein Punkt in dieser Geschichte, den ich unheimlich spannend finde – der hier jedoch nur zu der Hintergrundgeschichte gehört. Denn plötzlich finden sich die Anhänger dieser Religionen als die Unterdrückten wieder. Die einst mächtigsten Religionen der Welt werden bald als bedeutungslose Sekten belächelt. Die Götter besiedeln ihre Territorien und scharen ihre Anhänger um sich, die alten Sündenstädte Sodom und Gomorrha werden aus dem Wüstenboden gestampft, Halbgötter werden gezeugt und Loki ist Gastgeber seiner eigenen weltweit ausgestrahlten Spieleshow im Fernsehen. Dies alles führt naturgemäß zu zahlreichen Konflikten, zwischen Menschen, zwischen Göttern und allem was dazwischenliegt.

In solch einer Situation behält einzig der Atheist Malleus Bourreau einen kühlen Kopf. Er glaub nicht daran, dass es wirklich Götter sind, die auf die Erde zurückgekehrt sind und macht es sich zur Aufgabe Verbrechen aufzuklären, die angeblich durch diese Entitäten begangen wurden.

Er verschloss sich keinesweg den Geschehnissen. Er hatte nur […] seine eigene Meinung zu den Überwesen die sich plötzlich auf der Erde drängten. Und diese Meinung blieb streng wissenschaftlich und selbstverständlich kritisch. Und noch sah er es nicht als erwiesen an, dass es sich wahrlich um Entitäten handelte. (S.74)

Den Hauptcharakter Malleus fand ich wirklich gut gemacht: Ein Antiheld, der mysteriöse Zigarren kette raucht, quer durch die Welt reist um Verbrechen aufzuklären und dabei immer seinen eigenen Regeln folgt. Dass er sein eigenes Päckchen aus der Vergangenheit mit sich herumzuschleppen hat, welches ihn zu dem gemacht hat der er ist, wird relativ schnell klar. Doch bleibt es hier bei Andeutungen, Erinnerungsfetzen, die Malleus selbst immer wieder verdrängt und die dadurch auch dem Leser nicht zugänglich gemacht werden. Was für mich nicht ganz schlüssig war, aber in seiner Vergangenheit begründet liegen mag, ist die Tatsache, dass er als Atheist Anfangs zwar immer wissenschaftliche Erklärungen parat hat, mit denen er darlegt, dass es sich nicht um Götter handelt sondern um Aliens oder ähnliches – dann jedoch, als ihm bspw. die Götter Hephaistos oder Barrex erscheinen keine große Verwunderung zeigt und diese und weitere Erscheinungen im Laufe des Buches nicht wirklich in Frage stellt. In dieser Hinsicht widerspricht er sich also. Allgemein bleibt Malleus bis zum Ende ein Rätsel. Viele Andeutungen, aber wenig Auflösungen.

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Das Buch war trotzdem wirklich gut. Der Schreibstil hat mich gefesselt, was ebenso für die wechselden Erzählperspektiven gilt. Denn hier treten zwei weitere Charaktere auf, die sich durch das gesamte Buch ziehen.

Zum einen ist da eine Person von der wir immer nur die Gedanken zu lesen bekommen. Es handelt sich um einen Mann, der Malleus wie ein Schatten verfolgt und nicht von der Seite weicht. Unsichtbar agiert er im Hintergrund und schützt Malleus, ohne, dass wir erfahren warum. Wir erfahren allerdings, dass es sich um den sogenannten Glyphenmörder handelt, der Jahre zuvor mehrere Morde begangen haben soll. Dieser Charakter hat mich trotz seiner offensichtlich gewalttätigen Vergangenheit und skrupellosen Art am meisten gefesselt in diesem Buch. Seine Gedanken sind unterhaltsam, seine Handlungen verwirrend und trotzdem faszinierend und letztendlich fiebert man mit seinem Schicksal mit.

Ich schwöre ihm stumm, dass mir das nicht wieder passiert. 
Hätten die Thugs ihn erwischt, wäre mein Leben ohne Sinn 
gewesen. Habe ihn doch gerade erst gefunden. 
Er ist zu kostbar. 
Viel zu kostbar. 
Muss ihn noch besser beschützen. 
Weil ich ihm folge wie sein Schatten. (S.251f.)

Natürlich darf eine Frau in dieser Runde auch nicht fehlen. Tatsächlich treten sogar mehrere auf, doch eine Hauptrolle hat Marianne Lagrande. Sie ist eigentlich Malleus‘ Assistentin bei Interpol, doch schafft sie es durch ihre clevere und mutige Art immer wieder mitten ins Geschehen. Als echtes Banlieu-Mädchen ist sie so einiges gewohnt und ziemlich unerschrocken.

Ich hätte unglaublich gerne mehr über diese beiden Charaktere erfahren, doch leider enden ihre Geschichten genauso schnell und offen wie das gesamte Buch. Aus knapp 800 Seiten besteht Aera – Die Rückkehr der Götter und trotzdem war dies für mich nicht genug. Leider merkt man hier, dass Markus Heitz die Geschichte ursprünglich nicht als einen Roman veröffentlicht hat, sondern stattdessen als zehn einzelne Episoden einer Ebook-Serie, die schlussendlich zusammengebastelt und als ein Band herausgegeben wurden. Ich hatte demnach tatsächlich das Gefühl, dass ich mit dem Ende der Geschichte eine Serie einfach mittendrin abgebrochen habe – es fehlte einfach noch zu viel, es blieben zu viele Fragen offen. Und das hat mich so frustriert am Schluss. Die Spannung wurde stetig aufgebaut, die Charaktere haben sich immer weiter entfaltet, die Seitenzahl hat man überhaupt nicht gemerkt und dann – bumm – einfach Ende. Warum??

Für mich war das irgendwie ein unwürdiger Abschluss und zu meiner Enttäuschung musste ich erfahren, dass Heitz scheinbar keinen zweiten Teil herausbringen möchte. Denn in meinen Augen würde sich ein zweiter Teil definitiv und absolut lohnen!

Malleus hatte schon immer den Verdacht gehabt, dass sich das Christentum nur deswegen durchsetzte, weil es lediglich einen Gott gab. Es war einfacher. (S.101)

Fazit

Aera- Die Rückkehr der Götter von Markus Heitz hat viele Seiten, doch zog es sich für mich überhaupt nicht in die Länge. Am Anfang fragte ich mich zwar noch, ob es einen roten Faden gibt bzw. wo das Buch hinführen sollte… was ist das Ziel, was ist die Geschichte? Und wenn ich so darüber nachdenke, ist diese Frage vielleicht sogar bis zum Ende hin nicht ganz beantwortet worden. Doch dies tut dem ganzen keinen Abbruch.

Eine coole Idee, starke Story und Charaktere, die mir viel Spaß gemacht haben. Dennoch gibt es ein paar Schwächen. Allen voran für mich leider das Ende, welches zu abrupt kam und viele Fragen offen gelassen hat.

Kein Buch für Zwischendurch, kein Highlight des Jahres, aber definitiv eine lesenswerte Überraschung!

Eure

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